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Neue Wege der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen
und Studienseminaren in der Lehrerausbildung

Phasendurchlässige Module – das Stuttgarter Modell

- Eine Konzeption im Rahmen der Ausschreibung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft 2009 -


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Modul 3 Schulpraktisches Klavierspiel
(Update: 10.06.2009)

Vorüberlegung

Das Klavierspiel im Musikunterricht sollte keinesfalls nur dazu dienen, dass man „halt irgendwie“ dazu singen kann. Im Gegenteil: Es schafft bei kompetentem Umgang mit dem Instrument auch bei nicht Hauptfachpianisten, bei durchdachter und dem Stil des Liedes angebrachter Begleitungsart wichtige Voraussetzungen für die Ausbildung des Musikgeschmacks der Schülerinnen und Schüler. Letztendlich stellt ein fundiertes Schulpraktisches Klavierspiel, vom besinnlich atmosphärischen bis zum groovenden Begleitspiel auch einen nicht zu unterschätzenden Motivationsfaktor im Unterricht dar und beleuchtet den Lehrer in den Augen der Schülerinnen und Schüler nicht nur als Theoretiker seines Fachs, sondern auch als flexiblen Praktiker im Umgang mit der Musik. (Streichen ??)

Die Bedeutung des Faches „Schulpraktisches Klavierspiel“ besteht in seiner Qualität als Integrationsfach, denn hier werden für angehenden Schulmusikerinnen und Schulmusiker Fähigkeiten, bzw. Fertigkeiten vermittelt, die im engen Zusammenhang zur schulischen Alltagspraxis stehen, gleichzeitig wird dabei aber auch eine Verbindung zu künstlerischem Handeln und Denken angestrebt.

Inhalte
Ausgehend davon nimmt das Unterrichtsfach Schulpraktisches Klavierspiel und seine Inhalte eine zentrale Bedeutung ein, da eine Vernetzung mit fast allen anderen musikalischen Teilbereichen der Ausbildung zum Schulmusiker möglich ist.

Die Inhalte unterteilen sich in die drei Bereiche:



Für die Unterrichtspraxis an einer Schule spielen hier vor allem das Improvisatorische Liedspiel internationaler Volkslieder und Songs sowie die Begleitung und Improvisation im Bereich der Pop/Rock/Jazz-Musik eine zentrale Rolle.

Im Detail: Der Weg zur dem Lied/Song angemessenen Begleitung

A Methodischer Weg
1. Stufe: Zur gegebenen Melodie die passenden Akkorde finden Melodie und Akkorde spielen
2. Stufe: Die gewählten Akkorde (also das Harmoniegerüst) ohne Melodie als Akkordmodell spielen
3. Stufe: Das gewählte Akkordmodell ausimprovisieren. Gegebenenfalls für die einzelnen (inhaltlich unterschiedlichen) Strophen eigene Begleitungen erfinden
4. Stufe: Vor-, Zwischen- und Nachspiele improvisieren (im allgemeinen aus einer Melodiephrase oder einer charakteristischen Begleitformel entwickeln)

B Spielansätze zur Improvisation
Vorübungen anhand der Kadenz:
• Kadenzen in allen Tonarten und in allen Lagen spielen (können), davon zwei-, drei- und vierstimmige Fassungen
• mit Wechselnoten, Akkordbrechungen und anderen „Bewegungen“ vor allem im Sopran und im Bass
• unterschiedliche Rhythmisierungen
• ausgeweitete Kadenzen über 4 oder 8 Takte, z.B.: |: C C6 / F D- / G6/4 G / A- || C C6 / F D- / G6/4 G / C :|

Improvisationsmöglichkeiten in der rechten Hand:
• „gebrochene Akkorde“
• Umspielung der Dreiklangstöne durch leitereigene Durchgangs- oder Wechselnoten
• Skalenumspielung: Diatonisch, chromatisch, in Terzen oder Sexten, in Gegenbewegung, in Imitation der Melodiestimme
• Eigene „Oberstimme“ in polyphon-kontrapunktischer Gestaltung
• Technik der „nachschlagenden Akkorde“ (vor allem bei Tanzliedern), wobei die „Akkorde“ wieder durch Brechung und Umspielung variiert werden können

Improvisationsmöglichkeiten in der linken Hand:
• Orgelpunkt bei Liedern, die in der Tonika verharren
• Stehender und schweifender Bordun
• Melodisches oder rhythmisches Ostinato
• Grundtöne mit nachschlagenden Akkorden in der rechten Hand
• „Wandernder“ Bass, also Durchgänge und Umspielungen (wie bei der rechten Hand beschrieben
• melodisch selbständige Linie in polytonaler Gestaltung (vor allem im zwei- oder dreistimmigen Satz)

C Arbeitsstufen (Schupra-Module NF I/II und HF I/II)
1. Stufe: Lieder mit „stehender“ Tonika-Harmonie-Grundlage oder mit T und D
2. Stufe: Lieder mit den drei Kadenzakkorden in Dur und Moll
3. Stufe: Ausweitung der Kadenzfolge durch deren Vertreterakkorde
4. Stufe: Lieder mit leichten Modulationen oder Ausweichungen, bzw. mit harmonischer Rückung
5. Stufe: Kirchentonale Lieder in streng kirchentonaler oder freier Fassung
6. Stufe: Blues, Spirituals, Gospels, Schlager, Rock, Pop, Jazz-Standards

Schulpraktisches Klavierspiel
Grundlegende Abschnitte innerhalb der angegebenen Module Schupra NF I/II und Schupra HF I/II:
1. Nachschlagsfiguren
1.1. In beiden Händen (meist mit Wechselbass)
1.2. linke Hand allein enge Lage
1.3. als Musette –Walzerfigur in linker Hand
1.4. als große Walzerfigur in linker Hand
1.5. in rechter Hand + Melodielinie
1.6. als swingende Figur weite Lage
1.7. Shuffle-Figur mit Walking-Bass

2. Gebrochene Akkorde als Begleitmuster
2.1. linke Hand: 1-5-8 oder 1-5-10 (Wiegenlied bis Habanera)
2.2. Alberti-Bässe á la Klassik
2.3. Dreiklangsbrechungen ternär oder binär in allen Bewegungsrichtungen
2.4. Ausgestaltete Melodielinie z.B. in „Morning has broken“ auch mit Durchgangstönen

3. Akkordfortschreitungen - Kadenzen
3.1. Ausharmonisieren von Tonleitern – leitereigen und mit Zwischendominanten
3.2. I – VI – II – V – I Kadenzen in verschiedenen Stilarten
3.3. Kantionalsatz

4. Stilrichtungen
4.1. Spiritual/Gospel
4.1.1. Blues
4.1.2. Bluesschema
4.1.3. Begleittechniken: Riffs, Patterns, Boogie-Bässe
4.1.4. Bluestonleiter zur melodischen Improvisation
4.1.5. Einleitungsfloskeln und Schluss
4.1.6. Gesungener Blues
4.1.7. Tango
4.1.8. Bossa
4.2. Fahrtenlied
4.3. deutscher „Evergreen“
4.4. „aktueller“ Popsong
4.5. Jazz – Standard
4.6. Choral (Hymne)
4.7. Walzer

5. Annäherung an epochentypische Muster
5.1. Barocke Quintfallsequenz
5.2. Achteldurchpulste klassische Harmoniefolge
5.3. Romantik
5.4. Impressionismus

6. Variationsreihen

7. Jazzpiano
7.1. Vierklänge
7.2. Akkorderweiterungen
7.3. Akkordsymbolik
7.4. Low Interval Limits
7.5. Modi
7.6. II – V – I Verbindungen
7.7. Das Problem: Voicings
7.8. Walking Bass
7.9. Sekundärdominanten: Tritonussubstitution

Organisationsform der Kurse/Module
• 1 - 2 ganze Tage
• mögliche Teilnehmerzahl: 15-20 (je nach Raumsituation)
• Musikräume mit mehreren Klavieren und/oder auch Keyboards
• gemeinsame Basisveranstaltung (z.B. „Welche Ziele und Inhalte werden in Schupra angestrebt?“ (siehe oben), dann Binnendifferenzierung durch Wahlmodule je nach Vorkenntnissen (z.B. Schupra für NF Klavier I/II und Schupra I/II für HF Klavier und/oder Fortgeschrittene NF-Teilnehmer/innen)

Methoden
• Vorstellen verschiedener Modelle und Formen des Schulpraktischen Klavierspiels im Überblick
• Einzelarbeit mit Dozenten
• Partnerarbeit durch „learning by doing“, Erarbeiten vorgegebener Songs/Lieder
• Gruppenarbeit beim Erlernen von Spieltechniken unter Mithilfe des Dozenten

Voraussetzungen/ Zielgruppe
• Studierende ab 2. Semester, Referendare, Berufseinsteiger, aktive Schulmusiker

Ziele
die Kursteilnehmer sollen
• einen Überblick über die verschiedenen Formen, Möglichkeiten und Spielarten des Schulpraktischen Klavierspiels gewinnen
• grundlegende bzw. vertiefte Fähigkeiten im Begleiten von Lieder und Songs in verschiedenen Stilen und Stilistiken bekommen;
• „Althergebrachtes“ und eigene Spieltechnik der bisherigen „Begleittechnik“ gegebenenfalls verbessern;
• im Rahmen einer Informations- und Materialbörse kompakt Informationen zu weiterführender Literatur, Notenmaterial usw. bekommen.

Und:
.....Mut, sich der Improvisation und „Dem Spielen ohne Noten“ zu nähern....,

so dass über Schupra und den damit verbundenen Inhalten kompetente Schulmusiker herangebildet werden, die sich im Schulalltag souverän zwischen den Polen „Künstler und Handwerker“ bewegen.....


Projektbeteiligte:
Musikhochschule Stuttgart            Seminar Stuttgart     


Projektausschreibung:

      Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft